“Es gibt weiter eine Menge instabiler und ungewisser Faktoren”, so der Regierungschef Wen Jiabao, “die wirtschaftliche Lage ist weiter sehr ernst.” Er warnte ausdrücklich vor blindem Optimismus, nachdem in den vergangenen Wochen etliche Banker und Fondsmanager die Wirtschaftskrise in China für beendet erklärt hatten. Auch wenn die Wirtschaft im 2. Quartal bereits um 7,9 Prozent gewachsen ist und für das 3. Quartal sogar ein Wert von über 8 Prozent angepeilt wird, sei das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik noch immer instabil und keineswegs gefestigt.
Westliche Konjunkturexperten warnen ebenfalls vor einer übermäßigen China-Euphorie. Das fehlende Wachstum in den USA kann nicht durch die Aufwärtsentwicklung in den Emerging Markets wie China oder Indien kompensiert werden. Rückschläge drohen dort vor allem ab 2011, wenn die staatlichen Konjunkturprogramme keine Wirkung mehr zeigen.
Zusätzliche Binnennachfrage lässt sich nicht über Nacht schaffen. Dafür ist die Sparneigung der Chinesen aus gutem Grunde viel zu ausgeprägt. Oder anders formuliert: Mehr Konsum breiterer Bevölkerungsschichten ist erst dann realistisch, wenn die Menschen ihre persönliche soziale Sicherheit auch ohne ihre privaten Ersparnisse gewährleistet sehen. Etwa durch funktionierende Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen. Aber davon ist China noch Lichtjahre entfernt. Der Anteil des Binnenkonsums beträgt in China auch nur rund ein Drittel vom BIP, während er in den USA doppelt so hoch ist.
Ministerpräsident Wen Jiabao erklärte, China müsse davon ausgehen, dass die weltweite Nachfrage nach chinesischen Exporten noch “für eine lange Zeit” schwach bleiben werde. Chinas Außenhandel ist seit Jahresbeginn um fast 25 Prozent eingebrochen, ausländische Investitionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 30 Prozent zurückgefallen. Laut Wen Jiabao werde Beijing deshalb an ihrer “pro-aktiven” Finanzpolitik festhalten und die Geldpolitik angemessen lockern.



