Chinas Versicherungsgesellschaften dürfen (= müssen) zukünftig auch auf dem Heimatmarkt in hochwertige Gewerbeimmobilien investieren. Dieser Markt leidet nach einer langjährigen Boomphase besonders krass unter der Weltwirtschaftskrise. Die staatliche Versicherungsaufsicht hat die Anlagerichtlinien für die Versicherungsunternehmen aktuell gelockert. Diese verwalten zusammen rund 380 Mrd. Euro Versichertengelder. Es fehlen zwar noch Details, wie viel die Versicherer im Höchstfall in Gewerbeimmobilien anlegen dürfen, aber mit Blick auf entsprechende Deregulierungsschritte in der Vergangenheit könnten fünf bis acht Prozent der Anlagesumme in den Markt fließen – maximal also rund 30 Milliarden Euro.
Die Analysten des Immobilien-Großmaklers Jones Lang kalkulieren mit mindestens 23 Mrd. Euro, die vor allem in Geschäftsbauten in Toplagen fließen werden. Bereits dieses Volumen wäre mehr als doppelt so viel, wie derzeit in hochklassige Immobilien in Chinas boomender Wirtschaftsmetropole Schanghai investiert sind.
Mit dieser preis stabilisierenden Strategie versucht die Regierung in Beijing, den Büroimmobilienmarkt vor einer noch eklatanteren Insolvenzwelle zu bewahren – ein durchaus Risiko behaftetes Manöver: Schließlich gibt allein in der Hauptstadt wegen der Folgen der Wirtschaftskrise derzeit einen Leerstand von rund einem Drittel aller Büroflächen. Die Preise fallen, und bis 2011 soll sich schon nach jetziger Planung das Flächenangebot allein in Beijing verdoppeln.
Mit der Lockerung der Anlagepolitik für die zumeist staatlichen Versicherer will die Regierung Chinas auch den Gewerbeimmobilienmarkt in den Großstädten weniger abhängig von Investitionen ausländischer Geldgeber machen. Diese hatten sich wegen der Krise vielfach sehr schnell zurückgezogen. Damit forciert die Regierung eine Entwicklung, die auch in anderen Branchen mittelfristig kommen wird: Weg von der Dominanz ausländischer Investoren, hin zu Geldgebern chinesischer Herkunft. (Quellen: China Observer & Financial Times Deutschland)
