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Das Dilemma eines sparsamen Volkes

28. Juni 2009 · Keine Kommentare · Finanzen, Generelles, Wirtschaft

Wenn China nachhaltig die Finanzkrise überwinden will, muss es seinen Binnenkonsum erhöhen. Die Chinesen sind jedoch traditionell ein sparsames Volk, was das Unterfangen nicht ganz einfach macht.

Die Chinesen wurden oft für ihre Fähigkeit, mit den verfügbaren Mitteln auszukommen, gelobt. Sie haben stets Geld gespart und es tunlichst vermieden, sich zu verschulden. So ist es für die Regierung und die Wirtschaftsplaner nun besonders schwierig, dem Volk zu erklären, warum Geld auszugeben gut ist. Da Exporte und Investitionen, zwei der drei wichtigsten Wirtschaftspfeiler der chinesischen Wirtschaft, durch die Krise stark zurückgegangen waren, schauen die Regulatoren und Berater nun auf den letzten Pfeiler, den lokalen Konsum, um die Wirtschaft zu retten. Trotz einer Rekordzahl neuer Darlehen im ersten Quartal dieses Jahres, insgesamt 4,58 Billionen Yuan (rund 500 Milliarden Euro), war der Anstieg der Vergabe von Konsumkrediten bei chinesischen Banken bloß moderat.

Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die weltgrößte Bank gemessen am Marktwert, vergab im ersten Quartal Konsumkredite im Wert von 52,5 Milliarden Yuan (5,5 Milliarden Euro). Das sind bloß 8,2 Prozent der gesamten Kredite von 636,4 Milliarden Yuan (66,3 Milliarden Euro), welche die Bank im ersten Quartal dieses Jahres vergab. Die Verhältnisse bei der China Construction Bank und der Bank of China, den anderen beiden großen staatlichen Banken des Landes, waren ähnlich – 8,6 Prozent, beziehungsweise 8 Prozent während der ersten drei Monate. Der jüngste Versuch ist das Schaffen von Konsumfinanzierungsfirmen, um die Konsumenten mit mehr Geld zu versorgen und so ihre Ausgaben zu erhöhen.

Neue Regelung. Nachdem die Bankenaufsicht am 12. Mai den Entwurf einer neuen Regelung präsentierte, können es einige kaum erwarten, Konsumfinanzierungsfirmen zu eröffnen. Die neue Regelung erlaubt es einheimischen und ausländischen Finanzinstitutionen, Konsumfinanzierungsfirmen zu etablieren, welche Kredite für den Kauf von langlebigen Gütern zu Verfügung stellen. Am 16. Mai unterschrieb die Regierung des Pudong New Areal, Shanghais Geschäfts- und Finanzzentrum, einen Vertrag mit der Bank of China, um die Konsumfinanzierung zu verbessern. Tan Weixian, Vizedirektor der Shanghaier Bankenaufsicht, verkündete, dass seine Behörde Pudong in seinem Pilotprojekt, das erste Konsumfinanzierungsunternehmen des Landes zu eröffnen, unterstützen werde. Die 200.000 Finanz- und IT-Beschäftigten in Pudong haben ein starkes Konsumbedürfnis, besonders für Hochzeiten, Bildung und Reisen, und sind gegenüber neuen Innovationen bei der Bezahlung offener.

Manche Finanzexperten sind jedoch skeptisch, ob das Modell wie gehofft funktionieren wird. “Ein derartiges Geschäftsmodell wird die Ausgaben wohl nicht signifikant erhöhen. Das strikte Limit bei der Ausgabe solcher Kredite (nur für den Kauf langlebiger Güter) bedeutet, dass Banken sich wohl nicht gerne mit dem Thema beschäftigen werden, da es für sie höhere Kosten und weniger Profit bedeuten könnte. Nach der neu entworfenen Regelung wird es den Konsumfinanzierungsunternehmen nicht erlaubt sein, Spargelder von Kunden als Einlagen zu nehmen. Sie dürfen auch keine Autokäufe oder Hypotheken finanzieren. Doch sie werden voraussichtlich schneller Darlehen gewähren als Banken und dürfen bis zum Fünffachen des Monatslohns eines Antragstellers verleihen. Zur Refinanzierung können Konsumfinanzfirmen Geld von Geschäftsbanken aufnehmen oder Obligationen ausgeben. Diese Beschränkung wird sie wegen der höheren Finanzierungszinsen weniger wettbewerbsfähig machen, da ihre Marktzinsen höher liegen dürften und sie mehr Verwaltungsaufwand tragen müssen.

Für viele Finanzexperten steht jedoch fest, dass der echte Konsumanstieg nur kommen kann, wenn China sein Wohlfahrtsnetzwerk verbessert. In der Volksrepublik wird derzeit etwa ein Viertel des Verfügbaren Einkommens gespart. Die Angst, dass das Alter oder eine chronische Krankheit den finanziellen Ruin bringen würden, bringe viele Chinesen dazu, zu sparen, erklärte Zhao Xijun, Finanzprofessor der chinesischen Volksuniversität.


Quelle: China Daily

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