Beamte in Shanghai seien seit kurzem von Tür zu Tür unterwegs, um eine Ausnahmeregelung der Geburtenkontrollpolitik besser bekannt zu machen, berichtete die Zeitung «Shanghai Daily» am letzten Freitag.
Elternpaare, die beide als Einzelkinder aufgewachsen sind, dürfen seit mehreren Jahren in vielen Provinzen Chinas ein zweites Kind haben. Neu ist, dass die Behörden in Shanghai nun versuchen, solche Familien aktiv zu einem zweiten Kind zu überreden. Der Grund für die Aktion sei die «rasche Überalterung der lokalen Gesellschaft», sagte ein Beamter.
Überhaupt gilt die Ein-Kind-Politik wegen all ihrer Ausnahmen nur noch für rund 36 Prozent der Chinesen. Bauernfamilien in 19 Provinzen dürfen ein zweites Kind haben, wenn das erste ein Mädchen war. Dies allein betrifft 52,9 Prozent der chinesischen Bevölkerung. Weitere 11 Prozent, vor allem Angehörige von Minderheiten, dürfen zwei oder mehr Kinder bekommen.
Überbevölkerung bleibt dennoch ein ernstes Problem für China. Bis zum Jahr 2033 wird die Bevölkerung offiziellen Angaben zufolge auf 1,5 Milliarden wachsen – und dies bei einer schon jetzt akuten Ressourcenknappheit. So haben Millionen von Chinesen kein sauberes Trinkwasser.
Doch die ungewöhnliche Aktion in Shanghai zeigt, wie sehr die Überalterung der Gesellschaft die Behörden beunruhigt. Im Jahr 2040 wird es Regierungsprognosen zufolge 320 Millionen Chinesen geben, die älter als 65 Jahre sind. Das wären 22 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2007 waren es noch gut 8 Prozent.
