China Business in Kaiping Tangshan

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Ohne Emotionen fährt man in China besser

27. Juli 2009 · Keine Kommentare · Basiswissen, Generelles

China bezeichnet sich selbst als “sozialistische Marktwirtschaft“. Entsprechend ambivalent strukturiert sind Wirtschaft und Gesellschaft. Neben den bis vor wenigen Jahren dominierenden Staatsbetrieben ist eine Vielzahl weiterer Unternehmensformen verschiedenster Eigentumsstruktur entstanden, die mittlerweile über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Die Struktur- und Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen den einzelnen Provinzen und innerhalb der verschiedenen Gesellschaftsschichten sind immens.

Die Reformmaßnahmen bezogen sich bislang fast ausschließlich auf die Wirtschaft. Politisch hat die Kommunistische Partei die Zügel weiter fest in der Hand. Die von ihr vertretene Ideologie ist allerdings eher ein “Kommunismus chinesischer Prägung“. Seit dem Amtsantritt von Hu Jintao sind Begriffe wie “Harmonie ” und “Nachhaltigkeit” stärker ins Zentrum gerückt, auch weil die Diskrepanzen innerhalb der Gesellschaft und die Zerstörung der Umwelt bedrohliche Ausmaße angenommen haben.

Da sich die Modernisierung nahezu ausschließlich wirtschaftlich und wissenschaftlich, aber kaum geistig definiert, ist in der Folge eine Art “ideologisches Vakuum” entstanden. Außerdem hat die Partei nach ihrer Machtübernahme 1949 und im Verlauf der Kulturrevolution (1966 bis 1976) viele Traditionen gekappt und zum Beispiel die bis dato praktizierten Religionen durch “Marx und Mao” ersetzt.

Mittlerweile hat eine Rückbesinnung auf alte Werte und Religionen eingesetzt.

Ausgewählte Aspekte des Konfuzianismus nutzt die Regierung gerne, um an die Bevölkerung zu appellieren, insbesondere wenn es darum geht, die Pflichten des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft hervorzuheben. Auch das Erstarken des Nationalismus ist ein Ausdruck der gegenwärtigen Orientierungslosigkeit.

Für ausländische Unternehmen befremdlich ist dabei die zunehmende Forcierung von “Made by China” anstelle von “Made in China”. Dies umfasst nicht nur eine Erweiterung der Wertschöpfungskette, sondern darüber hinaus, dass die Produkte von rein chinesischen Firmen, und eben nicht von Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung gefertigt werden. China tritt außerdem als Staat angesichts seiner Größe und Wirtschaftsmacht erheblich selbstbewusster auf als noch vor wenigen Jahren.

Aus der konfuzianischen Philosophie entstammt das stark ausgeprägte Hierarchie- und Klassenbewusstsein der Gesellschaft. Hierzu gehört zum Beispiel auch der Respekt vor dem Alter. Alter wird gleichgesetzt mit Erfahrung und Entscheidungsbefugnis. Es ist insofern ratsam, keinen zu jungen Mitarbeiter als Leiter einer Verhandlungsdelegation zu bestimmen. Generell arbeiten in China vergleichsweise viele Frauen in leitenden Positionen. Sie dürfen nicht unterschätzt werden – es handelt sich keinesfalls um emanzipatorische Alibi-Besetzungen. Umgekehrt sind auch westliche Frauen in Führungspositionen anerkannt.

Von großer Relevanz für den Erfolg ist der Aufbau der richtigen “Guanxi”, also eines Beziehungsnetzwerkes zu einflussreichen Personen aus allen Lebensbereichen. Erhalten hat sich auch der mehrschichtige Begriff “Gesicht”. Aus ethischer Sicht hat jemand “viel Gesicht”, weil er sich persönlich integer verhält und ihm deshalb Respekt zukommt. Wer aber gegen die Moral handelt, verliert seines.

Im gesellschaftlichen Leben steigt und fällt das “Gesicht” einer Person mit ihrem Reichtum oder auch mit der Position, die sie in einem Unternehmen oder einer Organisation einnimmt (große, namhafte Unternehmen nutzen diesen Umstand, indem sie oft deutlich weniger bezahlen als kleinere, weniger renommierte Firmen).

Beim persönlichen Umgang ist es wichtig, das Gesicht des Gegenübers zu wahren – mit anderen Worten: ihn nicht bloßzustellen. Es schädigt ferner das eigene “Gesicht”, sich auf Kosten Dritter lustig zu machen.

Zwischen Nord- und Südchinesen bestehen gewisse Mentalitätsunterschiede. So heißt es über die Menschen südlich des Yangtze, des größten Flusses des Landes, dass sie besonders geschäftstüchtig sind und Geld einen hohen Stellenwert beimessen. Die Nordchinesen gelten als spontaner und herzlicher im Umgang, zugleich aber als schwerfälliger bei der Geschäftsabwicklung.

Wer das erste Mal in die Volksrepublik reist, wird erstaunt sein, wie wenig Höflichkeit (im westlichen Sinne) im öffentlichen Leben herrscht. Kaum einer, der durch eine Tür geht, sieht hinter sich, um sie dem Nachfolgenden aufzuhalten. Öffentliche Verkehrsmittel ebenso wie Fahrstühle in Hotels oder Bürogebäuden werden nach dem Motto “Free for all, push as you can” betreten. Und auch öffentliches Spucken mit den dazugehörigen Begleitgeräuschen ist immer wieder zu beobachten, obwohl die Regierung mit Kampagnen gegen solche Unarten vorzugehen versucht.

Ganz anders gestaltet sich hingegen der Umgang mit Personen, die man kennt, umso mehr, wenn es ausländische Geschäftspartner sind. Diese werden mit großer Höflichkeit betreut. Vom Gegenüber wird ebenfalls korrektes Verhalten erwartet. Man kann sich dabei auf Verhaltensregeln einer “gutbürgerlichen Kinderstube” verlassen. Die Anrede beim Vornamen ist im Geschäftsleben nicht üblich. Korrekt sind Herr, Frau und Fräulein beziehungsweise deren englische Pendants.

Es ist in Asien unüblich, starke Gefühle zu zeigen. Deshalb ist es wichtig, stets ruhig zu bleiben und den Partner nicht in ausweglose Situationen hineinzumanövrieren, in denen er einen Gesichtsverlust erleidet. Belehrende Attitüden, eine ausschweifende Gestik, das Zeigen mit dem Finger auf eine andere Person oder lautes “Auf-den-Tisch-hauen” sollten vermieden werden.

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