Kaum ist die geplante Großinvestition in die australische Bergbaugesellschaft Rio Tinto gescheitert, steht schon wieder eine spektakuläre Übernahme der Chinesen auf der Tagesordnung.
Wieder geht es um Rohstoffe. Und diesmal geht es ums Ganze. Der staatliche Kohlekonzern Yanzhou Coal plant nicht nur einen anteilsmäßigen Einstieg beim australischen Rivalen Felix Resources, sondern strebt direkt die Komplettübernahme des Unternehmens an.
Zwar hat das australische Unternehmen sich mit den Chinesen offenbar bereits geeinigt. Aber das letzte Wort in dem Deal hat die australische Kontrollbehörde. Sie muss dem Geschäft zustimmen. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem noch immer vier Angestellte des australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto in China hinter Gittern sitzen, weil ihnen von der chinesischen Regierung Spionage vorgeworfen wird.
Die Vorwürfe sind deshalb so brisant, weil Rio Tinto erst vor wenigen Monaten ein Milliarden-Angebot der staatlichen chinesischen Minengesellschaft Chinalco abgelehnt hatte. Das geschah nach Meinung vieler chinesischer Experten nicht zuletzt auf Drängen der australischen Regierung, die angeblich einen zu großen Einfluss der Chinesen auf die heimische Wirtschaft fürchtet.
Im Schatten der Festnahmen bei Rio-Tinto steht im Fall des Übernahmekandidaten Felix Resources die australische Toleranz-Grenze auf dem Prüfstein, auch wenn das Volumen nur etwa ein Sechstel der gescheiterten Chinalco-Offerte an Rio Tinto beträgt.
Sollte die Genehmigung verweigert werden, würde Australien wirtschaftlich mehr darunter leiden als China”, glauben Marktkenner.
Australische Rohstoffe haben es den Chinesen offenbar angetan. Sehr zielstrebig drängen sie in die Förderbranche “down under”. Erst Anfang Juni übernahm das chinesische Staatsunternehmen Minmetals für etwa 1,5 Milliarden Euro große Teile des australischen Zinkproduzenten OZ Minerals, der hochverschuldet und deswegen dankbar die Finanzspritze annahm.
Auch die australischen Behörden leisteten keinen nennenswerten Widerstand. Mit wachsenden Anteilen an den Produzenten wird auch Chinas Einfluss auf die Entwicklung der Rohstoffpreise wachsen. China benötigt Unmengen an Stahl und Energie, um das Tempo seines landesweiten Strukturwandels zu modernen und hoch entwickelten Großstädten aufrecht erhalten zu können. (Quellen: China Daily & SZ-Online)
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