Während der Pharmamarkt in Europa und den Vereinigten Staaten nur stockend wächst, prognostizieren Analysten dem Medikamentenmarkt in der Volksrepublik China bis 2013 ein jährliches Wachstum von rund 22 Prozent. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte China außerdem Deutschland und Frankreich in puncto Marktvolumen überholt haben und sich hinter den USA und Japan auf Platz drei einreihen.
Möglich wird der vorhergesagte chinesische Medikamentenboom durch verschiedene Faktoren. Zum einen ist die Einführung einer 124 Mrd. Dollar schweren medizinischen Grundversorgung bis 2011 angedacht, zum anderen bedürfen die 1,3 Mrd. Einwohner zunehmend mehr und besserer medizinischer Versorgung. Die Bevölkerung altert und die Adaption westlicher Lebensstile sowie die zunehmende Urbanisierung führen zu vermehrtem Auftreten von traditionell eher in Ländern wie den USA verbreiteten Leiden wie Bluthochdruck und Fettleibigkeit. Die Grundversorgung erscheint im Vergleich zu westlichen Ländern pro Kopf immer noch recht moderat, aber sie dürfte der Pharmaindustrie schon helfen, so die Prognose. Durch die verbesserte Grundversorgung könne man auch bei Medikamenten für nicht-lebensstiltypische Krankheiten ein Absatzplus erwarten.
Derzeit hat der chinesische Pharmamarkt ein Volumen von rund 24,5 Mrd. Dollar. Bis 2013 erwartet man ein Anschwellen auf bis zu 78 Mrd. Dollar. Im Rennen um die Vorherrschaft auf Chinas schnell wachsendem Medikamentenmarkt haben europäische Konzerne wie Bayer die Nase vorn. US-Medikamentenerzeuger haben sich augenscheinlich zu lange mit dem Wachstum am Heimatmarkt zufrieden gegeben und haben nun Aufholbedarf. Jeff Kindler, Chef des US-Pharmakonzerns Pfizer stimmt der wachsenden Bedeutung Chinas zu und verweist besonders auf Impfstoffe als Teil der Bemühungen des nach eigenen Angaben weltgrößten Medikamentenherstellers, dort Fuß zu fassen.
Neben Impfstoffen sehen die Analysten vor allen Dingen Potenzial für Mittel gegen in China verbreitete Krankheiten wie Hepatitis C. Medikamente gegen die Lebererkrankung, an der nach aktuellen Schätzungen rund 30 Mio. Chinesen leiden und jährlich rund 300.000 sterben, hätten Blockbuster-Potenzial, könnten also jährliche Einnahmen von einer Mrd. oder mehr sichern. Derzeit ist besonders Bristol-Myers Squibb mit dem Hepatitis-Medikament Baraclude auf einem guten Weg, einen solchen Blockbuster zu landen.



