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Chinas Bauwirtschaft hofft auf den Tiefbausektor

31. August 2009 · Keine Kommentare · Bau + Immobilien, Konjunkturprogramme, Wirtschaft

Chinas Tiefbau läuft auf Hochtouren. Und das bereits seit dem 4. Quartal 2008 umgesetzte Konjunkturprogramm forciert diesen Trend durch vorgezogene und zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen. Der umfangreiche Projektkatalog umfasst Wasserbauprojekte, den Bau neuer Flughäfen und den Ausbau des Schienen- und Straßennetzes. Vorhaben im Energiesektor wurden dagegen aufgrund der gesunkenen Nachfrage zum Teil auf Eis gelegt.

Chinas Bauwirtschaft steckt in der Krise. Die Hoffnungen richten sich auf das Tiefbausegment, denn über die Hälfte des Konjunkturprogramms ist für den Sektor vorgesehen. So sollen 2009 und 2010 insgesamt 1.800 Milliarden Renminbi Yuan (190 Mrd. Euro) in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt werden. Weitere 1.000 Milliarden Renminbi sind für Wiederaufbauprojekte in der erdbebengeschädigten Provinz Sichuan vorgesehen. Finanziert wird das Programm sowohl durch die Zentral- als auch Lokalregierungen unter Einbeziehung von Krediten staatlicher Banken und Privatinvestitionen.

Offiziellen Verlautbarungen zufolge sollen 1.180 Milliarden Renminbi aus dem Säckel der Zentralregierung kommen. Erstmals können auch Lokalregierungen zur Finanzierung von Projekten innerhalb des Programms Anleihen ausgeben. Bis Ende Juni 2009 genehmigte die Regierung die Ausgabe von Anleihen durch Lokalregierungen in einer Gesamthöhe von knapp 166 Milliarden Renminbi. Dies dürfte kaum ausreichen, den von ihnen erwarteten Finanzierungsbeitrag zu leisten, der ungefähr dem Beitrag der Zentralregierung entsprechen soll. Je stärker das Engagement der Lokalregierungen und deren Mitsprache bei Projektausschreibung und -vergabe ausfallen, desto schwieriger könnte es nach Einschätzung von Experten für ausländische Anbieter werden.

Unabhängig vom Konjunkturprogramm werden in China derzeit einige Großprojekte im Infrastrukturbereich realisiert. Dazu zählen unter anderem der Bau der Süd-Nord-Wasserumleitung, für die rund 75 Milliarden US-Dollar veranschlagt wurden. Er soll 2009 intensiv weiter betrieben werden, um auch damit zur Konjunkturankurbelung beizutragen.

Im Budget der zivilen Luftfahrtbehörde Civil Aviation Administration of China (CAAC) sind bislang 250 Milliarden Renminbi für den Ausbau der Flughafeninfrastruktur 2009 bis 2010 vorgesehen. Zentrale Projekte bilden dabei der Neubau von Flughäfen in Chengdu, Xi’an und Guangzhou. Vorgesehener Baubeginn ist noch in diesem Jahr.

Die Zentralregierung unterstützt dabei vor allem 25 größere, teilweise bereits im Bau befindliche Strecken, darunter die Hochgeschwindigkeitsstrecke Beijing – Shanghai. Außerdem ist der Ausbau der Strecken für den Kohletransport von Baotou nach Xi’an und von Taiyuan nach Zhongwei vorgesehen.

Zur Erschließung Zentral- und Westchinas wird der umfangreiche Ausbau des Straßennetzes vorangetrieben. Die mittelfristige Planung des Transportministeriums sieht zwischen 2009 und 2011 rund 2,7 Billiarden Renminbi für den Straßenbau vor, rund 900 Milliarden Renminbi pro Jahr. Davon sollen in jedem Jahr über 60 Prozent in Zentral- und Westchina investiert werden, wobei sich der Anteil bis 2011 auf knapp 65 Prozent steigern soll. Der Hauptteil entfällt auf den Ausbau des Autobahnnetzes.

Die Wirtschaftskrise lässt sich deutlich am sinkenden Stromverbrauch seit Oktober 2008 ablesen. Erstmals stieg die Elektrizitätserzeugung im Vergleich zum Vorjahresmonat wieder im Juni 2009 um 3,6 Prozent. Insgesamt fiel sie im ersten Halbjahr 2009 um rund 2 Prozent. Nach Jahren des knappen Angebots drohen den Energieversorgern nun Überkapazitäten. Ob die ursprünglich geplante zusätzliche Kraftwerkskapazität von 56 GW im Jahr 2009 tatsächlich in vollem Umfang gebaut werden wird, bleibt abzuwarten. Dies würde einer Kapazitätssteigerung von 7 Prozent entsprechen; doch selbst bei einem Wirtschaftswachstum von 8 Prozent würde der Energieverbrauch nur zwischen 4 und 6 Prozent zulegen.

Verschiedene Anbieter berichteten Anfang 2009 von verschobenen Aufträgen beziehungsweise Verzögerungen bei der Abnahme bereits bestellter Stromerzeugungsaggregate. Die Krise dürfte wohl einige Projekte (zumindest vorübergehend) auf Eis legen. Dem in die roten Zahlen gerutschten Sektor, der von den fünf staatlich dominierten Energieversorgern Huaneng, Datang, Guodian, Huadian und China Power Investment beherrscht wird, greift die Regierung inzwischen mit einem Hilfspaket unter die Arme.

Dessen ungeachtet hatte die nationale Energiebehörde für 2009 Investitionen in Höhe von 580 Milliarden Renminbi verkündet. Ein Großteil dürfte davon auf den Ausbau der Atomkraft entfallen, die bis 2020 eine Kapazität von 70 GW erreichen soll. Bereits genehmigt ist der Ausbau des Atomkraftwerks in der Provinz Guangdong (knapp 100 Mrd. RMB). Ebenfalls wird der Bau der West-Ost-Gaspipeline (bis einschließlich Hongkong) begonnen (Kostenpunkt: 93 Mrd. RMB). Beim Ausbau der erneuerbaren Energien könnte die Wirtschaftskrise leichte Bremsspuren hinterlassen.

Intensiviert wird mit staatlicher Unterstützung die Modernisierung und Erweiterung des unzureichenden Hochspannungsnetzwerkes. Im 11. Fünfjahresprogramm (2006 bis 2010) sind dafür 1.200 Milliarden Renminbi vorgesehen. Erstmals flossen 2008 mehr Investitionen in das Übertragungsnetz als in den Kraftwerksbau. Dabei sind bis 2020 mehrere Ultra-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik (UHGÜ)-Projekte geplant. Die State Grid Corporation baut derzeit eine 2.000 km lange und 18 Milliarden Renminbi teure 800 kV UHGÜ-Leitung von Xiangjiaba in der Provinz Sichuan nach Shanghai. Technologieanbieter für das Projekt ist ABB. Für eine weitere 800 kV UHGÜ-Leitung von Yunnan nach Guangdong liefert Siemens die Technologie.

Während sich im Tiefbau ein Aufschwung zeigt, kam der Hochbau im Reich der Mitte im 2. Halbjahr 2008 fast zum Erliegen. Eine deutliche Erholung ist bislang nicht in Sicht. Die im Wesentlichen hausgemachte Schwäche des Immobiliensektors verstärkt die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise. So nahm die Zahl der von Entwicklungsgesellschaften begonnenen Bauprojekten im Wohnungsbau 2008 gegenüber dem Jahr 2007 nur noch um 1,4 Prozent zu; im Jahr zuvor hatten sie noch um 21,3 Prozent zugelegt.

Ein seit der zweiten Jahreshälfte 2007 schrittweise eingeführtes Bündel an Maßnahmen (Kreditverknappung, Eigenkapitalerhöhung, Marktzugangsrestriktionen) brachte Chinas Hochbau 2008 fast zum Stillstand. Die in die Zukunft gerichteten Indikatoren zeichnen ein düsteres Bild. So wurden 2008 nur noch 2,5 Prozent mehr Bauprojekte allgemein neu begonnen als 2007. Damals hatte die Steigerungsrate noch bei 19,4 Prozent gelegen. Auch der Rückgang der von Entwicklungsgesellschaften gekauften Landfläche (-8,6%) sowie die rückläufige Landerschließung (-5,6%) zeigen, dass eine schnelle Erholung des Immobiliensektors nicht zu erwarten ist.

Inzwischen mangelt es einigen Immobiliengesellschaften an Finanzmitteln. Die schrittweise Kreditverknappung für den Sektor fordert ihren Tribut. Die neu an den Immobiliensektor vergebenen Kredite stiegen 2008 insgesamt noch um 3,4 Prozent im Vergleich zu 2007, blieben damit jedoch weit hinter dem Zuwachs des Jahres 2007 von knapp 30 Prozent zurück. Der Bausektor steht derzeit nicht in der Regierungsgunst. Verschiedenen Einschätzungen zufolge dürfte die Regierung zwar die Investitionen in Richtung günstigen Wohnungsbau lenken, jedoch angeschlagene Immobilienentwicklungsgesellschaften nicht stärken. Es wundert daher nicht, dass die Investitionen des Sektors im 1. Quartal 2009 nahezu stagnierten. Die Gesellschaften investierten in den ersten zwei Monaten 2009 lediglich 1 Prozent mehr als imVorjahreszeitraum. Dies war die geringste Steigerung seit der Öffnung des Wohn- und Immobilienmarktes Ende der 90er Jahre. Dennoch verschwand bislang keine größere Immobilienentwicklungsgesellschaft vom Markt.

Mit Chinas Immobiliensektor krankt einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren des Landes. Investitionen in den Wohnungsbau betragen durchschnittlich etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; fast 24 Prozent aller Investitionen werden im Immobiliensektor getätigt. Zwar starteten die Entwicklungsgesellschaften 2008 flächenmäßig geringfügig mehr Projekte als im Vorjahreszeitraum; verkaufte Flächen und Umsätze gingen jedoch zurück.
Die Regierung lockerte daher im Dezemberquartal 2008 die sektoralen Konjunkturbremsen: Stempelsteuer und Steuer auf Wertsteigerungen von Landrechten wurden abgeschafft, Zinsen gesenkt, der Kreditrahmen ausgeweitet, das nötige Eigenkapital für Käufer reduziert, Beschränkungen für den Wohnungskauf durch Ausländer wieder aufgehoben. Doch der Markt erweist sich bislang als träge. Nach wie vor fallen Umsätze und Aktienkurse von Entwicklungsgesellschaften, werden Neubauprojekte verschoben.

Zu weiteren Zugeständnissen scheint die Regierung jedoch nicht bereit. Trotz der alarmierenden Anzeichen zeigt sich Beijing bislang entschlossen, den Bereich nicht zusätzlich zu stimulieren. Obwohl allgemein erwartet, zählt der Sektor nicht zu den zehn Branchen, denen die Regierung mit sogenannten “Verjüngungs- und Modernisierungsprogrammen” (Zhenxing Guihua) unter die Arme greift.

Dennoch geht der Immobiliensektor nicht leer aus. Rund 400 Milliarden Renminbi sind innerhalb des Konjunkturpakets für städtischen Wohnungsbau, vor allem den Bau günstigen Wohnraums, vorgesehen. Dieser Betrag ist jedoch kleiner als der ursprünglich in der ersten Fassung des Programms genannte.

Weitere Mittel für den Bau preiswerter Wohnungen sind in den 370 Milliarden Renminbi für die Erhöhung des Lebensstandards auf dem Land enthalten. Laut Ministry of Housing and Urban-Rural-Development (MoHURD) sollen noch 2009 rund 33 Milliarden Renminbi in den Bau günstiger Wohnungen investiert werden. Dabei dürfen Mieter sowie Käufer solcher Wohnungen bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten; darüber hinaus können die Wohnungen nicht auf dem freien Markt veräußert werden. Im Jahr 2008 investierte China laut “Shanghai Daily” 30 Milliarden Renminbi in den “sozialen Wohnungsbau”. Derzeit sollen 680.000 derartige Wohneinheiten im Bau sein.

Vor allem in Zentren wie Shenzhen, Beijing oder Shanghai hat sich der Zuwachs der Immobilieninvestitionen deutlich verringert. In Beijing gingen die Investitionen 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent zurück. Allerdings schlägt hier der Ausnahmefaktor der Olympiade 2008 zu Buche. In Regionen, in denen Immobilien weniger aus Kapitalanlageaspekten gekauft werden, sondern um darin zu wohnen, zeigt sich der Immobilienmarkt hingegen in den letzten Monaten deutlich stabiler. Dies gilt auch für die Preisentwicklung.

Von der Krise ist nicht nur der Wohnungsbau betroffen, sondern auch der Bau von Bürohäusern,  Shopping-Malls und Geschäftszentren. So wurden 2008 landesweit rund 10 Prozent weniger Handelsflächen (Shopping-Malls, Geschäftszentren) fertiggestellt als im Jahr zuvor. Sowohl der Absatz von Büro- als auch von Handelsgewerbeflächen ging 2008 im Vergleich zum Vorjahr um jeweils 24 bis 25 Prozent zurück. Dennoch war nach Einschätzung von Cushman & Wakefield die VR China hinter den USA im vergangenen Jahr der zweitgrößte Markt für Investitionen in Einkaufs- und Geschäftszentren (Commercial Real Estate).
Steigende Leerstände sind in allen Segmenten zu verzeichnen. Noch waren sie im Bereich der Handelsgewerbeflächen in Beijing mit rund 10 Prozent im letzten Quartal 2008 relativ gering. Doch Jones Lang LaSalle sieht den Sektor in der Hauptstadt sowohl durch neu auf den Markt kommende 1,67 Millionen m2 Handelsfläche sowie durch geringeres Wachstum der Einzelhandelsumsätze unter Druck. Das Unternehmen geht in einer Studie von um 15 bis 20 Prozent sinkenden Ladenmieten in Beijing im Jahr 2009 aus.

Auch im Bereich Industriebau berichten Baufirmen von spürbar nachlassendem Kundeninteresse. Laut Jones Lang LaSalle wird die Nachfrage nach Produktions- und Lagerhallen 2009 zurückgehen und die Mieten in Beijing um 15 bis 20 Prozent sinken lassen. Einige Branchenkenner sehen das Vertrauen in den Immobilienmarkt frühestens im 3. oder 4. Quartal 2009 zurückkehren, in einigen Regionen später.

Das Immobilienberatungsunternehmen DTZ prognostiziert, dass es in den zehn größten Städten rund zehn bis zwölf Monate dauern wird, bis der Angebotsüberhang bei Wohnungen abgebaut sein dürfte. In den vier First-Tier-Städten Beijing, Shanghai, Shenzhen und Shanghai könnte es etwas schneller gehen. Hierschätzt DTZ die Dauer auf etwa sechs bis sieben Monate, während es in den Second-Tier-Städten wie Chengdu, Xiamen, Changsha, Shenyang und Wuhan bis zu 16 Monate sein könnten. (Quelle: gtai Köln)

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